Gäste der Europa-Union Wetterau spürten den Geist von Robert Schumann in Straßburg

Der kulturellen und politischen Studienreise ins Elsass zum Europa-Parlament nach Straßburg und nach Colmar folgten 48 Wetterauer Bürgerinnen und Bürger auf Einladung der Europa-Union Wetterau. Erste Anlaufstelle auf dem Weg zum Quartier in Colmar war das mittelalterliche Städtchen Obernai im Herzen des Elsass und am Fuße des Odilienbergs. Zwei Stadtführer nahmen die Gruppe in Empfang und zeigten ihr alle wichtigen Sehenswürdigkeiten, die sie mit lebendigen Geschichten umrahmten. Danach ging die Fahrt entlang der elsässischen Weinstraße weiter nach Colmar. Nach der Einquartierung im Hotel schlossen die Wetterauer und Wetterauerinnen den Tag mit einem elsässischen Menü in einem typisch elsässischen Lokal ab. Am nächsten Morgen begann der politische Teil der Reise im Bus auf dem Weg nach Straßburg ins Parlament. Vorstandsmitglied Peter Bauch, Politologe und Politikberater aus Bad Vilbel bereitete die Mitfahrenden auf den Besuch des Europaparlamentes vor, indem er drei Kernbereiche der Europäischen Union aufzeigte. Zunächst benannte er die EU als Friedensprojekt, ausgehend von der Erklärung des französischen Außenministers Robert Schumann am 9. Mai 1950, die die Zukunft unseres Kontinents verändern sollte. Der französische Außenminister hat sich zum Ziel gesetzt eine neue supranationale Organisation zu schaffen und zwischen Frankreich und Deutschland ein gemeinsamer Markt für Kohle und Stahl zu gründen, der auch offen stand für den Beitritt weiterer europäischer Länder. Mit der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Strahl (EGKS) begann die Entwicklung zur Europäischen Union, ein Projekt, das uns fast 80 Jahre den Frieden der europäischen Länder untereinander brachte. Als zweiten Kernbereich nannte Bauch, die EU als den größten Staatenbund der Welt, indem alle Staaten sich in nationalen Verfassungen dem freiheitlichen Wertesystem verpflichteten und das durch Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit geprägt ist. Als dritten Kernbereich der EU bezeichnete er den erfolgreichen Binnenmarkt mit sozialer Stabilität. Bauch nannte die EU einen Sehnsuchtsort, der nicht umsonst von vielen Menschen in der Welt als solcher gesehen wird. Nur ein vereintes Europa sichere unsere Stellung in der Welt und könnte nur zusammen mit den Wirtschaftsmächten USA und China mithalten. Mit Blick auf die anstehende Europawahl meinte der Referent, dass die drei genannten Kernbereiche nur gehalten und weiterentwickelt werden könnten, wenn die proeuropäischen Kräfte weiterhin im EU-Parlament eine starke Mehrheit behalten und nationalistische, populistische und antieuropäische Kräfte keinen Einfluss auf die Politik im Parlament erhalten würden. Bei der Führung durch das Europäische Parlament, in dem keine Sitzung stattfand, erteilte die Führerin eine umfassende Erläuterung zur Arbeitsweise des Parlaments, das mit seinen 705 Abgeordneten Entscheidung en und Rechtsvorschriften vorbereitet und verabschiedet. Für den Dolmetscherdienst ist es eine Mammutaufgabe die Beiträge und Reden der Abgeordneten in 24 Sprachen simultan zu übersetzen.

Eine Ausstellung über Robert Schumann in Erinnerung an die Erklärung vom Mai 1950 bis zur vertraglichen Bildung der Europäische Gemeinsaft von Kohle und Stahl im Jahre 1952 veranschaulichten den Mitreisenden deutlich dessen Wirken, das von der Hoffnung auf Frieden und Aussöhnung geprägt war. Der Vertrag, der sieben Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Kraft trat bildete die Grundlage für die heutige EU. Nach dem politischen Diskurs im Parlament erreichten die Reisenden mit einem Boot die Anlegestelle in die Nähe des Straßburger Münsters. Nach über zweistündigem Aufenthalt zur freien Verfügung in Straßburg fuhr der Bus weiter in Richtung Colmar mit Zwischenstopp in dem kleinen Städtchen

Kayserberg, dem Geburtsort Albert Schweitzers. Der Besuch dort war mit einer Weinkellerbesichtigung bzw. mit einer Weinprobe köstlicher elsässischer Weine in einem familiengeführten Weingut und einem Besuch des Albert-Schweitzer-Hauses verbunden. Am nächsten Tag ging die Fahrt nach einem Bummel durch die von Kopfsteinpflaster und mittelalterlichen Fachwerkhäusern geprägte Altstadt von Colmar wieder in Richtung Wetterau mit einem Zwischenstopp in Speyer, wo ausreichend Zeit für einen Kaffee und einen Besuch des Domes war. Der Vorsitzende der Europa-Union Wetterau, Dr. Johannes Fertig, bedanke sich für die gut vorbereitete und gelungene Reise bei den Organisatoren Joachim Gutermuth aus Florstadt und Peter Bauch und dem Busfahrer Siegfried Pfannmüller für die ruhige und sichere Fahrweise.