Neujahrsempfang

Neujahrsempfang der Europa-Union Wetterau 

In Sorge um Weltlage und EU

 

„Das Projekt Europa ist so stark bedroht wie nie zuvor.“ Mit diesen Worten begrüßte der Wetterauer Europa-Union-Vorsitzende Dr. Helmut Francke die Gäste zum Neujahrsempfang im Florstädter Bürgerhaus. 

Einerseits sei es wichtig, nicht von den USA, China und Russland militärisch und wirtschaftlich ausgespielt und zerrieben zu werden. Andererseits wüchsen und verstärkten sich viele zum Teil existenzielle Probleme auf unserer Erde, die nur von der Menschheit gemeinsam gelöst werden können. 

Um die verhängnisvolle weltweite Entwicklung zu mehr Nationalismus, Egoismus, mangelnder internationaler Zusammenarbeit und dem Rückzug aus der weltweiten Verantwortung zu stoppen und umzukehren, braucht es die Europäische Gemeinschaft, ihre Werte – und ihr konsequenteres und mutigeres Handeln nach diesen Werten, so Francke. Mehr Verantwortungsübernahme und nicht nur taktisches, manchmal sogar devotes Lavieren zwischen den Großmächten sei nötig. Damit würde die EU auch wieder mehr internationalen Respekt gerade bei den kleineren und mittleren Staaten außerhalb Europas erlangen und gleichzeitig objektiv zur Lösung vieler weltweiter Problemlagen beitragen.

Dafür sei allerdings eine neue Integrationsoffensive in der EU notwendig. Das voneinander lernen müsse verstärkt werden. Auch Deutschland könne vieles lernen von seinen europäischen Partnern: von Estland die Digitalisierung von Dänemark und Schweden die Energiewende, von der Schweiz die Pünktlichkeit der Bahn u.v.m. Für ein Zusammenwachsen der EU, Offenheit und Lernen auch durch Begegnung stehe die Europa-Union.   

Der Florstädter Bürgermeister Imbescheid hielt anschließend ein kurzes Grußwort, indem er auf die Wichtigkeit europäischer Begegnungen im Rahmen des aktiven Florstädter Partnerschaftsvereines mit Partnerstädten in Frankreich, Polen und Großbritannien einging. 

Staatsministerin Natalie Pawlik, selbst Mitglied der Wetterauer Europa-Union, hielt ein digitales Grußwort. : 

Sie betonte, dass die Antworten auf die großen Fragen und Unsicherheiten, die viele Bürger umtreibt, eine europäische Antwort braucht – nicht Abschottung und Rechtspopulismus, sondern Zusammenarbeit und Solidarität. Sie dankte der Europa-Union ausdrücklich für ihr vielfältiges Engagement für Europa.

Danach stärkte man sich erst einmal mit Getränken und Snacks.

Im Anschluss hielt Peter Bauch, stv. Vorsitzender der Europa-Union Wetterau, einen Kurzvortrag

zu den aktuellen globalen Veränderungen und den Folgen für Europa. Zum einen ging er auf die neue

russische Machtpolitik und die damit verbundene Bedrohungslage für das freie Europa ein, zum anderen

wurde die neue amerikanische Geopolitik skizziert, die neben einer Schwächung der Vereinten Nationen

auch deutlich weniger Unterstützung für Europa bedeutet in den Bereichen Sicherheit und Wirtschaft, aber

auch im Bereich der internationalen Politik. So sieht sich Trump mit Blick auf den russischen Angriffskrieg

zunehmend als Vermittler und nicht mehr als entschiedener Unterstützer der Ukraine an der Seite der EU.

Die Gleichzeitigkeit von aufwachsender Bedrohung durch Russland und Schwächung der transatlantischen

Partnerschaft sei für das freie Europa eine große Herausforderung, die für neue Prioritäten sorge.   

Europa stehe vor der Aufgabe, dass es wesentlich stärker als bisher für Sicherheit in Europa sorgen

und auch nach weiteren Wirtschaftspartnern Ausschau halten muss. Die Schaffung einer globalen Allianz

von Mittelmächten, darunter Kanada, Japan und Indien, sei für die EU eine interessante Option.

"Nur mit mehr eigener Stärke und Geschlossenheit können wir eine gute Zukunft Europas sichern 

und auch künftig global weiterhin eine gestaltende Rolle spielen.", schloss Bauch seinen Vortrag.  

Schatzmeister und Reiseorganisator Joachim Gutermuth gab danach mit einer abwechslungsreichen Bildfolge einen Eindruck über die Fahrt der Wetterauer Europa-Union im Oktober 2025 nach Luxemburg, Trier, Metz und Schengen. 

Die Veranstaltung schloss mit einer intensiven Diskussion über die konkreten Arbeitsmöglichkeiten der Partnerschaftsvereine sowie der Vermittlung gemeinsamer europäischer Werte an Schulen. Die Bildungsreferenten der Wetterauer Europa-Union Brigitta Nell-Düvel und Helmut Betschel wiesen dabei auf den Europäischen Schulwettbewerb hin sowie auf die Möglichkeit, sich in den Schulen direkt mit Abgeordneten des Europa-Parlament auszutauschen.      

Bildunterschrift: 

Von links, die Vorstandsmitglieder Peter Bauch, Joachim Gutermuth, Dr. Helmut Francke, Brigitta Nell-Düvel, Helmut Betschel nach dem Neujahrsempfang